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Date: 23/11/2016

Title: Robotik und Maschinenlernen – Von der Vision zur gewinnbringenden Realität

Teaser: Was in der Industrie längst selbstverständlich geworden ist, steckt bei Europas Banken noch in den Kinderschuhen: Die Industrialisierung der Banken geht mit der Robotik und dem Maschinenlernen in die nächste Runde. Der Weg ist steinig, verspricht aber, monumentales Potenzial freizulegen.

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Robotik und Maschinenlernen – Von der Vision zur gewinnbringenden Realität

Was in der Industrie längst selbstverständlich geworden ist, steckt bei Europas Banken noch in den Kinderschuhen: Die Industrialisierung der Banken geht mit der Robotik und dem Maschinenlernen in die nächste Runde. Der Weg ist steinig, verspricht aber, monumentales Potenzial freizulegen.

Autoren: André H. Burger | Raphael Bianchi


Im Vergleich zur bereits bekannten und gängigen Automatisierung von Prozessen geht die Robotik einen Schritt weiter. Es geht um die Automatisierung von ganzen Aktivitätsketten. Deren Verknüpfung setzt ein hohes Maß an Komplexität und Intelligenz voraus. Ultimatives Vorbild dieser kognitiven Kapazität ist das menschliche Gehirn. Die Aufgaben werden so erfüllt, als ob eine reale Person systemübergreifende Aufgaben erledigt – und dies, ohne dass die zugrunde liegenden Systeme miteinander gekoppelt wären. Damit sind die Akteure virtuelle Arbeitnehmer, die regelbasiert Aufgaben erledigen. Das Konzept der sich selbst verbessernden Maschine ist mittels Maschinenlernen im darauf logisch folgenden Entwicklungsschritt bereits realisiert. Die Robotik- Software ist dazu ausgelegt, Modelle schnell und exakt zu berechnen und diese in Form einer Automatisierung direkt in die Realität zu transformieren. Die Roboter vereinen damit folgende Eigenschaften:

  • Sie übernehmen die Automatisierung von repetitiven Aufgaben des Menschen.
  • Sie sind lernfähig und konfigurierbar, im besten Fall sogar selbstlernend.
  • Sie sind in die bestehende IT-Architektur integriert und benötigen keine komplexen Schnittstellen.

Das häufig unter Robotic Process Automation anzutreffende Gebiet bezeichnet genau diese Software-gesteuerte Koordination von Aktivitäten über verschiedene Applikationen und Systeme hinweg. Ohne große Anpassung der bisherigen Landschaft agiert der Roboter mit eigenem User und Passwörtern in den bestehenden Systemen.

Diese Definition liest sich für einige möglicherweise sehr theoretisch, gar futuristisch. Für andere sind ethische Bedenken im Vordergrund, wenn Maschinen den Menschen ersetzen sollen. Doch die Anwendungen sind in einigen Bereichen bereits im Einsatz und helfen den besten Banken dabei, noch besser zu werden.

Effizienzsteigerung um 80%

Die Hauptzielsetzung der Robotik ist es, Effizienzsteigerungen in manuellen und repetitiven Prozessen zu schaffen – und zwar durch die Reduktion menschlicher Interaktion. Produktivität ist also der Haupttreiber der Robotik (Abb. 1).

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Jede menschlich ausgeführte Aufgabe wie beispielsweise die Erstellung eines Reports in einer Tabellenkalkulation wird dabei als Algorithmus betrachtet und ist deshalb automatisierbar. Die Robotic Process Automation Software kombiniert dabei Technologien der Erkennung grafischer Benutzeroberflächen mit einer Workflow-Steuerung. Die Software ist darauf ausgelegt, zwischen verschiedenen Applikationen und Bildoberflächen zu wechseln. In Zwischenschritten automatisiert sie Berechnungen und Datentransformationen. Meistens ist die Software darauf eingestellt, weitere Aktionen in der Prozesskette auszulösen und so verschiedene Workflows unter der Einhaltung von Bedingungen und Regeln miteinander zu verketten. Im einfachen Fall «lebt» der Roboter auf einem gewöhnlichen Desktop-System. Er kann sich jedoch auch auf virtuellen Desktops in einem Automatisierungs- Hub befinden. Die durch die Robotik erzielten Qualitätsverbesserungen werden häufig unterschätzt. So sind Roboter-gestützte Prozesse rund um die Uhr durchführbar und reduzieren menschliche Fehler. Durch den Wegfall menschlicher Komponenten wie Gewohnheit und Beharrlichkeit, Widerstand gegen Veränderungen oder menschliche Fehler lassen sich Prozesse auf Basis dieser technischen Lösung sehr viel schneller anpassen. Auch Umstellungen sind blitzschnell realisierbar durch die Wiederverwendung einzelner Prozesssequenzen. Damit ermöglicht Robotic Process Automation der Bank, sich voll auf den Kundenservice und die Weiterentwicklung der Unternehmung zu fokussieren. 

Anwendungsfelder: von der Kundeneröffnung bis zur Rechnungsabwicklung

Für die Prozess-Robotisierung bei Finanzinstituten eignen sich sämtliche Routine-Prozesse. Dies reicht von der Dateneingabe, Validierung, Manipulation und Konsolidierung bis zum Exportieren, Herunter- und Hochladen von Daten oder Dateien. Prozesse, bei denen Kunden nicht unmittelbar involviert sind, stoßen dabei inner- und außerhalb der Organisation voraussichtlich auf den geringsten Widerstand – zunächst könnten also Prozesse im Back-Office-Bereich robotisiert werden. Einige selektierte Beispiele sollen die Anwendungsmöglichkeiten verdeutlichen:

  • Kundeneröffnung: E ine S chweizer P rivatbank h at d en Eröffnungsprozess von Neukunden im Privatkundengeschäft zu 85% automatisiert. Der Stammdatenleiter wurde dadurch in der Überwachung und Kontrolle nach wenigen Wochen deutlich entlastet. Das Team konnte sich fortan auf die Verbesserung der Prozesse statt auf die mühsame Dateneingabe konzentrieren.
  • Rechnungsstellung: Eine deutsche Bank hat mittels Robotic Process Automation den gesamten Rechnungslauf und monatlich über 10ʼ000 Rechnungen robotergesteuert durchgeführt. Dabei konnten mehr als 90% der strukturierten Rechnungen automatisch ausgelöst und bezahlt werden. Für die Abteilung wurde damit eine Effizienzsteigerung von 50% erreicht.
  • Reconciliation: Die Loro- und Nostroabstimmung ist bei fast allen Banken zum Großteil bereits vollautomatisch. Dennoch bleiben mit dem geringen, nicht automatisierten Anteil sehr hohe Aufgabenblöcke, die manuell abgearbeitet werden müssen. Eine deutsche Großbank hat sich diesem Thema mittels Robotic Process Automation gestellt und so den Automatisierungsgrad der Abstimmung um zwei Prozentpunkte erhöht. Das klingt zwar nach wenig. Wenn man jedoch bedenkt, dass dadurch der Arbeitsaufwand der gesamten Reconciliation-Abteilung halbiert wurde, zeigt sich, dass selbst bei bereits hochautomatisierten Prozessen noch großes Optimierungspotenzial vorhanden ist.
  • Stammdaten Parallelpflege: Der Cut-Over-Plan einer Kernbankensystemeinführung sah vor, das neue System in zwei Schritten aufzuschalten. Im ersten Schritt wurden im neuen System nur die Stammdaten parallel zum Altsystem geführt. Diese Parallelphase wurde mittels Robotic Process Automation komplett verselbstständigt, ohne dass in die Systemlandschaft eingegriffen werden musste. Damit konnte sich das Stammdatenteam auf komplexere Themen konzentrieren.

Weitere sehr gut geeignete Einsatzgebiete, die von Synpulse bereits umgesetzt wurden, sind die Erstellung s ystemübergreifender Berichte, die Extraktion elektronischer Formulare, die Angebotsgestaltung für Kreditanträge, die Automatisierung des Bilanzabschlusses sowie die Betrugs- und Geldwäscheerkennung. Die Liste der Anwendungsfelder ist beliebig erweiterbar.

Felder identifizieren, robotisieren und profitieren

Die Beispiel-Bank muss sich also entscheiden, ob die neuen Services dem Kunden ab dem Zeitpunkt der Einführung der neuen Produkte ohne Unterzeichnung der neuen Verträge und ohne zusätzliche Kosten zur Verfügung stehen. Werden die neuen Services jedoch automatisch angeboten, verliert die Bank wesentliche Anreize für den Kunden, in eines der neuen Vertragswerke oder in ein höher angesiedeltes Paket zu wechseln. Für Kunden, die im traditionellen Anlageberatungsgeschäft investiert waren, können bestehende Portfolios unabhängig von der Einführung der neuen Verträge regelmäßig überprüft werden, obwohl keine vertragliche Verpflichtung existiert. Zusätzliche Leistungen, wie zum Beispiel das Verwenden eines Advisory-Tools sowie die Zustellung eines detaillierteren Portfolioreports stehen ihm jedoch nur beim Wechsel zu einem der neuen Pakete zur Verfügung. Die Einführung neuer Pakete und Dienstleistungen hat automatisch zur Folge, dass die bestehenden Bankprozesse angepasst oder sogar neue Prozesse eingeführt werden müssen. Es können aus rechtlicher oder Compliance-Sicht zum Beispiel nicht alle neuen Pakete in allen Bankkundendomizilen angeboten werden.

In fünf Schritten kann eine Bank bereits erste Felder mithilfe von Robotic Process Automation bearbeiten und davon profitieren. Einzige Voraussetzung für den Start ist, dass die entsprechenden Prozesse bereits eine gewisse Reife in der Standardisierung und Digitalisierung haben. Die Eintrittsbarriere ist in diesen Feldern besonders niedrig und für Banken jeglicher Größe interessant. Das Vorgehen von Synpulse gestaltet sich dabei wie folgt:

  1. Roadmap definieren: Definition, Zielsetzung und Selektion der Aktionsfelder.
  2. Systemevaluation: Selektion der geeigneten Robotic Process Automation Software.
  3. Prototyping: Auswahl eines Feldes mit hohen Quick- Wins; Errechnung eines Business Cases und Umsetzung mittels Prototyp und infolge iterativer Durchführung.
  4. Testen und Übertragen: Testen der Automatisierungen im Kleinen und spätere Aufnahme in die regelmäßige tägliche Arbeit.
  5. Multiplikation und Verbesserung: Ausdehnung des ersten Anwendungsfalles auf weitere Gebiete und Aufsetzen einer Führungsstruktur zur Umsetzung von Robotic Process Automation in allen Bereichen der Bank (Abb. 2).
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Da Robotic Process A utomation i n kleinen S chritten u nd punktuell eingesetzt werden kann, eignet sich die Umsetzung mit agilen Methoden wie dem Rapid Design und Prototyping. Die nicht invasiven Technologien erlauben eine architekturkonforme Umsetzung in kürzester Zeit. Dabei sind ein Pilotprojekt und damit die Automatisierung eines Bereiches bereits nach sechs bis acht Wochen umgesetzt.

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André Burger

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